Kollonaden Baden-Baden

Schauplatz: Zigarettenfabrik Baden-Baden

Schauplatz: Zigarettenfabrik Baden-Baden

Um ganz besondere und geeignete Schauplätze zu finden, muss ich gut recherchiert haben, auch will ich vor Ort gewesen sein und das Umfeld geatmet haben. Besser ist es gar, wenn ich mich etwas in der Gegend auskenne, die Kultur und die Menschen, sowie ihre regionalen Eigenarten verstehen kann.

Nur so denke ich, kann man eine intensive Geschichte glaubhaft hineinprojizieren und sie authentisch darstellen.

So hatte ich sehr viel Glück, als ich für einen Protagonisten ausgerechnet in Baden-Baden, der Kurstadt, mit den vielen Hotels eine Fabrik suchte. Ich wusste, dass da eigentlich alles andere ist, aber keine Industrie und dann habe ich doch ein Goldstück gefunden. Eines mit einer ganz besonderen und erwähnenswerten Vergangenheit.

Es handelt sich um die erste deutsche Zigarettenfabrik. Eine der größten deutschen Industrien, nahm hier in Baden-Baden ihren Anfang.

Sie konnte in dieser Stadt zu ihrer Größe wachsen, weil das besondere gesellschaftliche Milieu die Basis für den anfänglichen Erfolg war. Es ist eine Geschichte, die ich mit Verwunderung und zunehmender Begeisterung gelesen habe und die vor langer Zeit ihren Anfang nahm:

In den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts kam der Herzog von Orlèans von Paris nach Baden-Baden und brachte die Zigarre mit. Es war neu, dieses öffentliche Rauchen, und diese Sensation konnte natürlich idealerweise an der Kurpromenade präsentiert und bewundert werden.

Das alles beobachtete damals Heinrich Rheinboldt aus Rastatt und er reagierte, indem er neben dem Conversationshaus, dem heutigen Kurhaus, einen Pavillon mietete und einen Zigarrenladen einrichtete. Als dann auch die Russen nach Baden-Baden kamen und den Tabak mitbrachten, um ihre Zigaretten selbst zu stopfen, dachte Heinrich Rheinboldt, dass er auch das kann. Er richtete gegenüber vom „Badischen Hof“ eine Zigarrenmanufaktur und eine kleine Zigarettenfabrik ein. Mädchen waren es damals, die sie in Handarbeit herstellten. Bestellen und kaufen konnten die Gäste in der Manufaktur selbst und im Pavillon. Seine internationalen Kunden honorierten seine Arbeit mit ihrer Treue, auch dann, wenn sie längst abgereist waren.

Heinrichs Tochter Anna verliebte sich in den jungen Verkäufer August. Es kam zur Teilung des Geschäftes. Die Zigarre blieb in der Rheingoldmanufaktur bei Heinrich und Schwiegersohn August übernahm die Zigarette und baute 1899 eine Fabrik für die maschinelle Herstellung und produzierte bis zu 110 000 Zigaretten täglich. Sie wurde aber bald zu klein.

1907 errichtete er dann in der Balzenbergstraße eine moderne Zigarettenfabrik. Lange Zeit galt sie mit täglich bis zu 3 Millionen Zigaretten, als der größte Arbeitgeber in der Region.

Wie es mit der „Batschari“ Zigarettenfabrik und ihrer Geschichte in Wirklichkeit weiterging, erzähle ich an einem anderen Tag. Sei gespannt.

Aber für meine Geschichte ist sie mit ihrem besonderen Hintergrund etwas ganz Besonderes. Sie bietet mir einen wundervollen Rahmen und bekommt noch einmal in einer ganz anderen Zeit strahlenden Glanz und Leben eingehaucht.

Quelle: Die Geschichte der Stadt und des Kurortes Baden-Baden, Band 2 (Rolf Gustav Haebler)